B  A  S  E  L I  N D  E  R G  E  M  E  I  N  S  A  M  E  N S  T  I  L  L  E

Präsentation der Gruppen



WER UND WAS SIND DIE QUÄKER ?

Die Andacht steht im Zentrum des Quäkertums (Religiöse Gesellschaft der Freunde). Sie ist und war auch immer eine öffentliche Veranstaltung. Die Andacht basiert auf Stille, aber es ist eine Stille, die mit Erwartung erfüllt ist. Mehrere Minuten, ja sogar bis zu einer halben Stunde, wird es still sein. Dies bedeutet jedoch nicht, dass während dieser Zeit nichts geschieht. Jede, jeder von uns versucht, dem Andern und Gott näher zu kommen, indem wir den stillen Geist der Andacht auf uns einwirken lassen.

 

Die Stille kann irgendwann gebrochen werden, sei es von einem langjährigen Mitglied, einem Neuhinzugekommenen oder einem Kind, wenn sich diese Person gedrängt fühlt, etwas mitzuteilen, das dann die Andacht vertiefen und bereichern kann. Das Schweigen ist für einen kurzen Augenblick unterbrochen, jedoch nicht gestört. In der Stille einer Quäkerandacht können die Anwesenden einen tiefen und mächtigen Geist der Liebe wahrnehmen, der ihre Alltagserfahrungen übersteigt. Vereint in Liebe und gestärkt durch Gemeinschaft, erreichen die Teilnehmenden ein neues Gefühl des Lebens, unabhängig von der Verschiedenheit, mit der sie diese lebenserweiternde Erfahrung beschreiben.

 

Quäker halten sich an kein Dogma, da sie der überzeugung sind, dass es keine Worte gibt, die unsere Beziehung zu Gott, die sehr persönlich und individuell ist, voll erfassen können. Quäker glauben, dass in jedem Menschen etwas von Gott wohnt, sie nennen dies das Innere Licht. Daher ihre überzeugung, dass alle Menschen vor Gott gleich sind, was auch immer ihre soziale Zugehörigkeit, Nationalität, Religion, Abstammung, ihr Geschlecht oder ihre sexuelle Orientierung sein mag. Im Quäkertum gibt es weder hierarchische Strukturen – da an dem Prinzip des "Priestertums aller Gläubigen" festgehalten wird – noch glauben die Quäker, dass die Bibel die letzte Instanz für richtiges Verhalten und absolute Wahrheit ist. Göttliche Offenbarung ist nicht an Vergangenheit gebunden. Derselbe Heilige Geist, der die Bibel inspiriert hat, kann Gläubige beeinflussen, die Jahrhunderte später leben. Quäker glauben, dass es Gott jedem ermöglicht, durch das Innere Licht Zugang zur spirituellen Wahrheit zu finden. Sie versuchen, für neue geistliche Erfahrungen offen zu sein, woher diese auch kommen mögen.

 

Wahrhaftigkeit, Gleichheit, Einfachheit und Gemeinschaft sind "Zeugnisse", die Quäker in ihrem Alltag zu verwirklichen suchen. Manchmal versagen wir, aber unser Glaube an die Gleichwertigkeit aller Menschen als Kinder Gottes bestärkt uns in unserem Engagement für politische, soziale und ökonomische Gerechtigkeit, friedliches Miteinander und die Ablehnung von Krieg und Aufrüstung sowie Gewalt in jeder Form. Dieses Engagement bezieht sich in zunehmendem Masse auch auf den sorgfältigen Umgang mit natürlichen Ressourcen und allen Formen des Lebens.

 

Diese überzeugungen haben u. a. zu Gefängnisreformen, der Abschaffung von Sklaverei, der Einführung fester Preise beigetragen – Quäker Händler haben sich immer geweigert, zu feilschen. Spezielle Hilfsprogramme sind oft von Quäkern ausgegangen. Auch nach der Verleihung des Friedensnobelpreises an die Quäker, der ihnen 1947 für ihre Hilfeleistungen im Nachkriegseuropa zugesprochen wurde, engagieren sie sich bis heute in vielen Bereichen. So ging zum Beispiel die Bewegung gegen den Einsatz von Kindersoldaten von einer Quäkerin aus.

 

Die Quäker glauben an das Gute im Menschen, und setzen sich für Menschen ein, denen Unrecht geschieht. Dies ist einer der Gründe, warum sie eine aktive Rolle in der Versöhnungsarbeit auf nationaler und internationaler Ebene übernehmen. über die Büros der Quäker bei den Vereinten Nationen in New York und Genf und das Quäker Büro für Europäische Angelegenheiten in Brüssel versuchen sie, internationale und europäische Politiker/innen für ihre Grundsätze zu gewinnen.

 

Das Quäkertum entstand als religiöse Bewegung um 1650 im Nordwesten Englands, in einer Zeit sozialen, politischen und religiösen Wandels, als die feudalistische Gesellschaftsstruktur einer turbulenten parlamentarischen Demokratie wich. Die Botschaft der Gleichheit, der Möglichkeit einer direkten, persönlichen Beziehung zu Gott ohne Vermittlung durch einen Priester und die Ablehnung der Staatskirche führte zu Verfolgung durch den Staat, manchmal bis zum Tod. Damals kamen Tausende Quäker ins Gefängnis oder verloren ihr Eigentum durch Beschlagnahmung. Schon um 1660 hatten sich die Quäker in den amerikanischen Kolonien und auf dem europäischen Festland verbreitet. Heute gibt es weltweit ca. 304 000 Quäker, wobei die meisten in den USA (105 000), Afrika (122 000), Lateinamerika (55 000) und in Großbritannien und Irland (21 000) zu finden sind. Ungefähr 1000 Quäker leben auf dem europäischen Festland.

 

Unser Leben bedeutet Liebe, und Frieden und Sanftmut; einander ertragen und einander vergeben, aber nicht uns gegenseitig anklagen; es heisst, füreinander beten und dem Andern mit weicher Hand helfen. (Isaac Penington, 1667)

 

Weitere Informationen:

RELIGIÖSE GESELLSCHAFT DER FREUNDE IN DER SCHWEIZ
CLERK DER SCHWEIZER JAHRESVERSAMMLUNG

Dr. med. Johannes Bircher, Tel. 031 829 25 54
jbi@swissonline.ch
www.swiss-quakers.ch

 

Für die Basler Gruppe: Ursula Schuppli, Tel. 061 601 72 57



 


VERZEICHNIS DER SCHWEIGEMEDITATIONEN
zur Förderung der religiösen und kulturellen Einheit