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Texte



DER WEG IN DIE FINSTERNIS

Was unsere Augen sehen, haben sie voll im Blick.
Was unsere Hände begreifen, haben sie voll im Griff.
Was unser Geist denkt, das kleidet er in Begriffe:
Begriffe sind definierbar, bestimmbar, abgrenzbar.

 

Gott aber ist grösser.
Wir können ihn nicht voll im Blick haben.
Wir können ihn auch nicht voll im Griff haben.
Und wir können ihn nicht in Begriffe kleiden,
denn dazu müssten wir ihn definieren, bestimmen, begrenzen.

 

Können wir zu ihm kommen? Welche menschlichen Worte,
welche menschliche Sprache könnte ihn beschreiben?
Jedes Wort ist ja schon begrenzt.
Jedes Verstehen braucht einen Begriff.
Welche menschlichen Worte,
welche menschliche Sprache kann ihn beschreiben?

 

Die einzige Sprache, die keine Grenzen hat,
in der das Unendliche noch einen Platz hat:
Das Schweigen.
Nicht das düstere Schweigen.
Sondern ein Schweigen, das Sprache ist.
Ehrfürchtiges Schweigen.
Betendes Schweigen.
Verehrendes Schweigen.

 

DIONYSIOS AREOPAGITA (um 500 n.C.)

 

"Ich schaute Gott im Schweigen"
Auszug aus der Reihe :"Texte zum Nachdenken", Herder Verlag



 


VERZEICHNIS DER SCHWEIGEMEDITATIONEN
zur Förderung der religiösen und kulturellen Einheit

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