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Texte



DEN TÖCHTERN TERESAS

Nun berichtet uns der Heilige Augustinus, dass er Gott allenthalben suchte, bis er ihn endlich im eigenen Inneren fand. Ihr müsst euch einmal vorstellen, wieviel diese Wahrheit für eine allenthalben verstreute Seele bedeutet, wenn sie erkennt, dass sie nicht zum Himmel aufsteigen muss, um mit dem Vater zu reden, und dass kein lautes Rufen nötig ist, um seine Liebe zu erfahren. Wie leise sie auch spreche, er ist so nah, dass er sie hört. Sie braucht keine Flügel, um zu ihm zu gelangen, nur in die Einsamkeit muss sie gehen, in ihr Inneres schauen und sich nicht wundern über einen so hohen Gast. Vielmehr spreche sie ihn sehr demütig an als ihren Vater, bitte ihn als ihren Vater, berichte ihm von allen Nöten und welcher Hilfen sie bedarf. Seid aber nicht kleinmütig wie einige, die das mit Demut verwechseln. Es ist wahrhaftig nicht demütig, wenn ihr eine Gabe des Königs zurückweist. Nehmt das unverdiente Geschenk an, und freut euch darüber. Eine schöne Demut wäre mir das, wenn ich den Herrn des Himmels und der Erde in meinem Haus zu Gast hätte und weise die Gnade ab, mit der er kommt, um mir eine Freude zu machen! Haltet euch fern von so falscher Demut und geht mit ihm um wie mit einem Vater, einem Bruder, einem Herrn, ja, wie mit einem Bräutigam – bald auf die eine, bald auf die andere Weise, die er euch lehren wird. Das nennt man “Gebet der Sammlung”, weil die Seele ihre Vermögen sammelt und mit Gott in ihr Inneres eingeht. (CV 28, 2-4)

 

Das erste, was uns seine Majestät über das Gebet lehrt, ist, dass wir in die Stille gehen müssen. Er selbst pflegte in der Einsamkeit zu beten. Wir müssen in die Stille gehen, damit wir verstehen, mit wem wir zusammen sind und hören, was der Herr auf unsere Bitten antwortet. Oder meint ihr, er schweige, nur weil wir ihn nicht hören! Von Herzen gebeten spricht er zum Herzen. Wir tun gut daran uns vorzustellen, dass er selbst uns dieses Gebet gegeben hat, und dass der Meister sich nie so weit vom Schüler entfernt, dass dieser nach ihm rufen müsse; nein, er bleibt ihm ganz nah. Ich möchte, dass ihr daran denkt, wenn ihr das Vaterunser betet: haltet euch an den Meister, der es euch lehrte. (CV 24, 4)

 

TERESA VON AVILA (1515 – 1582)
Auszug aus der Reihe :“Texte zum Nachdenken”
Herder Verlag



 


VERZEICHNIS DER SCHWEIGEMEDITATIONEN
zur Förderung der religiösen und kulturellen Einheit